26. August 2011
Der Stoff, aus dem die Bäder sind
Bestimmten früher einzig Waschschüssel und Krug aus Porzellan die Morgentoilette, sorgen heute ganz andere, teils ungewöhnliche Materialien für eine Fülle von interessanten Formen. Kombiniert man sie mit klassischen Werkstoffen, entstehen aus unspektakulären Räumen unverwechselbare Bäder mit Stil. Von Acryl bis Terrazzo: Wir geben Ihnen einen Überblick, aus welchen Stoffen moderne Wellnessoasen sind.
Acryl bzw. Sanitäracryl lässt sich beliebig, vor allem aber körpergerecht formen. Das stabile, hochbelastbare Material kann in nahezu allen Farben hergestellt werden. Bade- und Duschwannen aus gegossenem, voll durchgefârbtem Acryl sind lichtbeständig und weisen selbst nach langer Nutzung keine Farbänderungen auf. Durch die wärme- und schalldämmenden Eigenschaften werden keine zusätzlichen Dämmstoffe benötigt. Extrem heiß-kalte Wechselbäder, Kosmetika, Badezusätze und Reinigungsmittel können der Oberfläche von Markenprodukten nichts anhaben. Glatt, porenfrei und warm, wirkt sie sehr hautsympathisch. Abgesehen von einer gewissen Empfindlichkeit gegen Kratzer, ätzende Säuren und Lösungsmittel, ist Acryl schlagfest und splittert nicht ab. Kratzer und Brandstellen lassen sich leicht ausbessern. Markenhersteller bieten spezielle Pflege- und Poliersets für Acrylausstattungen an. Neue Techniken ermöglichen umweltgerechte Fertigung und hundertprozentiges Recycling.
Aluminium ist ein silbrigweißes Metall, das sich leicht dehnen und durch Schweißen, Löten, Nieten und Kleben verbinden lässt. Hoch stabil und sehr leicht wird es für Profilrahmen von Duschabtrennungen, von Spiegelschränken und Badmöbeln eingesetzt. Einbrennlackierungen bzw. Eloxierungen (Veredelungen) machen Produkte daraus langlebig, korrosionsbeständig und pflegeleicht.
Chrom nennt sich eine metallische Oberfläche u. a. für Armaturen und Accessoires. Die zu verchromenden Teile, meistens aus Messing, werden poliert, elektrolytisch gereinigt, hochglanzvernickelt und anschließend verchromt. Durch eine mechanische Abschlussbehandlung, Bürsten oder Polieren, lässt sich die Oberfläche dekorativ matt oder hochglänzend gestalten. Ebenfalls möglich: eine Verchromung in Gold. Verchromte Oberflächen sind besonders kratzfest, anlaufbeständig, widerstandsfähig und darüber hinaus so glatt, dass sich Schmutz und Kalk nicht so schnell festsetzen können.
Edelstahl ist wegen seiner technischen Anmutung ein beliebtes Material für Sanitärelemente wie Waschbecken. Die Legierung aus Chrom und Nickel ist nahezu unverwüstlich, pflegeleicht, jedoch kratzempfindlich. Das qualitativ hochwertige Material wird auch für Armaturen, Ausstattungsarmaturen eingesetzt und für Badmöbel oft mit anderen Materialien wie Holz kombiniert.
Email(le), eine Glasschmelzmasse, überzieht Metalle wie Stahl mit einer pflegeleichten Schutzschicht bzw. Glasur. Im Sanitärbereich kennt man z. B. emaillierte Stahlwannen. Ihre Hersteller sprechen vom Werkstoff Stahl-Email. Ein Wannenkörper aus Stahl wird mit weißer oder farbiger Puderemaille (gemahlenes Glas) beschichtet, getrocknet und anschließend bei etwa 850 °C gebrannt. Die dadurch entstehende glatte, glasartige Oberflâche ist kratzfest, schlag- und stoßempfindlich sowie beständig gegen UV-Strahlung und hygienisch. Stahl-Email ist zu 100 % recyclebar und muss nicht getrennt werden.
Glas steht für Transparenz und Ästhetik und bewirkt eine großzügige Badgestaltung. Sowohl bei Badmöbeln, Duschabtrennungen wie auch bei Waschtischen hat Glas hohe Sicherheitsvorschriften zu erfüllen - sie werden von TÜV-Siegeln mit GS-Zeichen markiert. Für Markenduschwânde wird ein Einscheibensicherheitsglas (ESG) verwendet. Ein spezielles Verfahren, Erwärmung der Glasscheibe auf 650 Grad und anschließendes Einfrieren der Oberfläche mit kalter Druckluft, erhöht die Schlag- und Biegefestigkeit. Damit ist Sicherheitsglas zehnmal höher belastbar als normales Glas. Bricht es trotzdem, zerfällt es in kleine, stumpfe Krümel, so dass die Verletzungsgefahr relativ gering ist.
Granit ist ein Tiefengestein aus Feldspat, Quarz und Glimmer. Es ist extrem hart, witterungsbeständig und langlebig. Als Boden- und Wandbelag wird es zu Platten verarbeitet, die Oberflächen sind poliert oder geschliffen.
Holz ist als Material für Badmöbel, massiv oder furniert, als Wandverkleidung oder auf dem Boden in Kombination mit Fliesen außerhalb des Spritzwasserbereichs auch im Bad geeignet. Bei richtiger Verarbeitung lässt es sich leicht pflegen und hat eine fast unbegrenzte Lebensdauer. Vor Feuchtigkeit schützen Lacke, Lasuren und Wachse. Unerlässlich für Wandverkleidungen sind Lattenunterkonstruktionen, die eine Hinterlüftung gewährleisten. Im Spritzwasserbereich an der Wand müssen Profilbretter senkrecht montiert und unten abgeschrägt werden, damit das Wasser ablaufen kann.
Kork wird aus der Rinde der Korkeiche hergestellt. Seine Eigenschaften - robust, fußwarm, elastisch und atmungsaktiv - machen ihn auch zum Bodenbelag fürs Bad. Kork gibt es als Fliesen und Platten, auch mit farbigen Oberflächen. Unverzichtbar im Bad: eine zwei- bis dreifache Endversiegelung mit Wasserlack, damit keine Feuchtigkeit in das Material oder die Fugen eindringen kann.
Marmor gehört als Naturstein zur Familie der Kalkgesteine. Er ist die edelste Alternative zu keramischen Fliesen. Marmor wird in unzähligen Arten und Farben angeboten, im Fachhandel findet man 40 bis 60 Sorten. Die Oberflächen sind poliert, eine farblose Imprägnierung schützt vor Kratzern und Flecken. Das gängigste Plattenmaß beträgt 30,5 x 30,5 cm. Für die Wand stehen dünnere und somit leichtere Platten zur Verfügung. "Leichter Marmor" nennt man Fliesen aus granuliertem, mit Harzen gebundenem Marmor. Das Material ist wesentlich leichter und dünner als das Original und extrem strapazierfähig. Es wird mit Spezialkleber verlegt und in Nassbereichen hartversiegelt.
Mineralguss bezeichnet einen besonders gut formbaren Werkstoff. Produkte daraus überzeugen mit engen Radien und geschmeidigen, filigranen Formen. Ihre Oberflächen sind mit einer porenfreien, matt glänzenden und abriebfesten Gelcoat-Schicht gegen Temperaturschwankungen, chemische Einflüsse, Schlagbeanspruchung und UV-Einwirkung geschützt. Pflegeleichtigkeit und gute Reparaturmàglichkeiten sorgen für Qualitât und lange Lebensdauer. Das Material eignet sich außerdem fürs Recycling.
Sanitärkeramik, ein Porzellanmaterial für Waschtische, Bidets, WCs und Urinale, besteht aus ähnlichen Grundstoffen wie Steingut. Trotz erheblich höherer Festigkeit und Qualität verbleibt eine gewisse Schlag- und Stoßempfindlichkeit. Sanitärkeramik wird bei Temperaturen von 1.000 bis 1.500 Grad gebrannt und mit einer glatten weißen oder farbigen Glasur überzogen. Sie schafft eine harte, kratzfeste und besonders pflegeleichte, hygienische Oberfläche.
Tapeten eignen sich als herkömmliche Papiertapeten nicht für Spritzwasser- und Nassbereiche. Hier können nur Tapeten mit den Bezeichnungen "hochwaschbeständig" oder "scheuerbeständig" verarbeitet werden. Glasfasergewebetapeten ermöglichen ein übertapezieren von Fliesen. Dabei ist darauf zu achten, dass der Untergrund vorher verspachtelt wird und die Bahnen mit Dispersionsklebstoff aufgebracht werden. Danach empfiehlt sich ein Anstrich mit umweltverträglichem Acryllack. Verwendbar sind auch Vlies- und Vinyltapeten.
Terrakotta ist ein Naturmaterial und wird im Badbereich vorwiegend als Fußbodenbelag eingesetzt. Es besteht aus gebranntem Ton und fällt je nach Herkunft bräunlich, rötlich oder gelblich aus. Terrakotta wird überwiegend zu Fliesen und Platten verarbeitet. Die samtartige Oberfläche und die warmen Farbschattierungen bleiben erhalten, wenn die Fliesen nach dem Verlegen mit Naturharzöl grundiert und gewachst werden. Eine Hartversiegelung gibt noch mehr Schutz, verändert aber den Naturton.
Terrazzo ist ein altbewährter Bodenbelag und besteht aus einer Marmorkörnung, die mit Beton und Zement vermischt wird. Er hat eine gesprenkelte Optik und nach dem Schleifen eine glatte Oberfläche. Die Farben ergeben sich aus dem verarbeiteten Marmor. Als "örtlicher" Belag wird der Fußboden gegossen, geschliffen und gewachst. Fliesen sind werkseitig fertig behandelt. Terrazzoböden gelten als sehr robust und pflegeleicht.
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