7. September 2010
Bäder mit Funktionszonen
Das Bild vom Bad als rechteckige Box mit den an der Wand aufgereihten Becken, WC und Wannen ist überholt. Heute werden ganzheitliche Badkonzepte angeboten, die den Raum innenarchitektonisch gliedern. Die Sanitärbranche macht aus dem Bad ein Zimmer mit unterschiedlichen Zonen, die der Hygiene, dem Styling oder der Regeneration dienen können.
Baddesign ist schon lange nicht mehr "nur" Produktdesign. Der Funktions- und Bedeutungswandel des Badezimmers beeinflusst neben dem Produktdesign auch immer mehr den Raum, seine Größe und Struktur. Die Hersteller planen bei neuen Badkollektionen daher auch zunehmend die Möglichkeiten mit ein, wie das Produkt für die Raumnutzung und -gestaltung eingesetzt werden kann. Solche Konzepte antworten auf das Konsumentenbedürfnis nach einer ganzheitlichen Badgestaltung und enthalten auch schon mal Empfehlungen für das Interior Design, etwa Empfehlungen für Materialien, Farben, Kombinationen, Lichtführung, Accessoires und so weiter und so weiter. Die Sanitärobjekte ragen in den Raum hinein oder werden mittig platziert, es entstehen Sichtachsen, sich durchdringende oder abgeschirmte Raumteile. Aus Duschen werden Raumteiler, Vorwandelemente nehmen Armaturen und Waschbecken auf, und das WC verschwindet, wenn schon nicht ganz aus dem Bad, so doch zumindest in eine abtrennbare Nische. Denn der Rest des Bades wird als Wohnfläche definiert, die etwa durch Relax-Möbel und Teppiche gestaltet wird.
Jede Wohnung, jedes Zimmer erzählt von dem persönlichen Stil seiner Bewohner. Üblicherweise kommt der individuelle Charakter in der Wahl der Möbel und ihrer Platzierung im Raum zum Ausdruck. Wie ist das Sofa ausgerichtet (zum Fernseher, in den Raum oder als Sitzgruppe)? Gibt es einen Esstisch? Eine übersichtliche Vitrine oder eher ein überquellendes Bücherregal? Steht eine moderne Hifi-Anlage mit Relax-Liege oder ein Klavier im Zentrum? Bei jedem Umzug werden die guten Stücke wie Soldaten vorgeschickt, den Raum zu erobern und ihn dem Menschen anzueignen. Nur im Bad bleiben die meisten Wohnenden irgendwie immer bloß Gast. Bis auf einige Requisiten gibt es hier kaum Möglichkeiten, das Retortenformat zu individualisieren. Selbst Hauseigentümer vermögen ihren Bädern oft nicht mehr Profil zu geben als den Zeitgeschmack, welcher während des Hausbaus oder der Renovierung gerade vorherrscht. Das Bad - das ist gemeinhin der Raum, der bei der Grundrissplanung übrig bleibt und nun mit dem üblichen Programm in willkürlicher Reihenfolge des Auftritts besetzt wird. Das Ensemble wird dabei aus den Kollektionen rekrutiert, die von der Industrie in diversen Stilen angeboten werden. Wer wo steht, auf wen das Rampenlicht fällt, ob der Hauptakteur hinter den Komparsen verschwindet oder neben dem WC Würde bewahren muss, ist den Planern meist herzlich egal - Hauptsache, das gebuchte Ensemble kann irgendwie auf der Bühne untergebracht werden.
Natürlich ist diese Vorgehensweise überholt, doch sie ist immer noch Standard. Dabei ist auch das von den Sanitärherstellern verfolgte Kollektionsprinzip längst über diesen Status hinaus. Die Produktprogramme von heute sind keine schlichten, einem bestimmten Muster folgenden Besetzungslisten mehr; vielmehr ist in ihnen bereits eine Vorstellung von der Inszenierung enthalten. Die Kombination von Keramikserien mit Badmöbeln in ausdrucksstarken Oberflächen, die Entwicklung von passenden Accessoires, die Formensprache an sich sowie Armaturen, deren charakterstarkes Profil nur mit bestimmten Keramiken harmoniert - das sind die Instrumente der Interior Design-Konzepte anspruchsvoller Kollektionen. Die Produktinszenierung im Foto spielt dabei die wohl bedeutendste Nebenrolle, da auch über sie dem Konsumenten die Verwendung bestimmter Materialien, Farben, Kombinationen, Accessoires oder eine bestimmte Lichtführung nahe gelegt werden kann.
Fotos (in angegebener Reihenfolge): Kaldewei, Dornbracht, Keuco, Hansgrohe, burgbad, Duravit


