Trinkwasser aus der Leitung: Qualität, Kontrolle und Mythen

Das Badezimmer ist der Ort im Haus, an dem wir täglich mit Wasser in Berührung kommen – beim Duschen, Baden, Zähneputzen, Händewaschen. Wir spüren es auf der Haut, atmen seinen Dampf ein und vertrauen darauf, dass es uns gut tut. Und tatsächlich: Wer unter einer Dusche steht, weiches, kalkarmes Wasser auf der Haut spürt und den feinen Unterschied zu hartem Leitungswasser kennt, weiß, dass Wasserqualität kein abstraktes Thema ist — sondern ein sehr direktes, sehr körperliches Erlebnis. Für den Durst aber greifen wir aber meist trotzdem zur Flasche. Dabei sprudelt aus der Badezimmerarmatur das am strengsten kontrollierte Lebensmittel überhaupt – unser Leitungswasser, das wir problemlos trinken können, wenn ein paar einfache Dinge stimmen. Welche das sind und welche Rolle Armaturen dabei spielen, liest du hier.

Bis in die 1970er Jahre hinein war Mineralwasser in Flaschen in Deutschland eher eine Seltenheit. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von gerade einmal 12,5 Litern im Jahr galt es als eher exotisches Produkt. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Heute trinken wir Deutschen über 140 Liter in Flaschen abgefülltes Wasser im Jahr (das Umweltbundesamt beziffert den Verbrauch von abgefülltem Wasser für 2024 auf 13,5 Milliarden Liter). Ein beträchtlicher Anteil davon ist sogenanntes Tafelwasser, also mit Kohlensäure versetztes Leitungswasser. Da können wir doch direkt wieder unseren Durst mit Wasser aus der heimischen Leitung stillen.

Das spart nicht nur Geld – der Liter Trinkwasser kostet, inklusive aller Gebühren, hierzulande im Schnitt 0,4 Cent. Wenn wir unsere täglich empfohlenen 1,5 Liter Wasser aus dem Hahn trinken, kostet uns das 2,19 Euro – im Jahr. Hinzu kommt natürlich auch der Umweltaspekt. Knapp 60 % des abgefüllten Wassers wird mittlerweile in Einweg-PET-Flaschen verkauft. Das entspricht laut Forum-PET etwa 7,5 Milliarden Einweg-PET-Flaschen für 2023. Hiervon Nicht zu vergessen die oft weiten Transportstrecken für Flaschenwasser und die aufwändige chemische Reinigung bei Mehrwegflaschen.

Wie sicher ist unser Leitungswasser?

Viele gute Gründe also, sich aus Leitungen zu bedienen. Und bedenken hinsichtlich der Trinkwasserqualität müssen wir auch nicht haben. Denn unser Trinkwasser wird bis zum Hausanschluss ständig kontrolliert – mit bis zu 120.000 Messungen pro Parameter und Jahr. Das gewährleistet unsere Trinkwasserverordnung. Laut Verbraucherzentrale hält Leitungswasser in Deutschland die rechtlichen Vorgaben zu über 99 Prozent ein und das Umweltbundesamt attestiert ihm eine gute bis sehr gute Qualität. Damit muss unser Leitungswasser etwa zehnmal so viele Grenzwerte einhalten wie Mineralwasser.

Doch wie wird unser Leitungswasser gewonnen? Leitungswasser in Deutschland wird hauptsächlich aus Grundwasser (ca. 70%), Oberflächenwasser (ca. 30%) und Quellwasser gewonnen. Grundwasser entstammt tiefen Brunnen, Oberflächenwasser aus Flüssen, Seen oder Talsperren, Quellwasser aus natürlichen Quellen – regionale Anteile variieren stark. Grundwasser wird durch Pumpen aus bis zu 400 m tiefen Schichten gefördert, wo es natürlichen Filternprozessen unterliegt. Oberflächenwasser durchläuft oft Uferfiltration oder Bankfiltration für eine Vorfiltration durch Boden und Sand. Dabei ist es teilweise sogar mineralreicher als Mineralwasser aus dem Getränkemarkt und enthält ebenfalls Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium.

Aber gehen wir doch mal einigen Behauptungen und Bedenken gegenüber Leitungswasser auf den Grund:

·         Es sind zu viele Hormone und Medikamentenrückstände im Leitungswasser

Natürlich sind Hormone und Medikamentenrückstände ein Problem. Allerdings kommen diese meist in oberflächennahe Schichten vor. Wenn Wasserversorger bei ihren ständigen Kontrollen allerdings eine Belastung feststellen, werden die Filtermaßnahmen angepasst oder die Quellen gewechselt. Das gilt grundsätzlich bei Verunreinigungen aller Art.

·         Verschiedene Erreger sind latent in unserem Leitungswasser enthalten

Das verneint die Verbraucherzentrale Hamburg. In unseren Breiten werde Trinkwasser verlässlich entkeimt. Entweder chemisch oder physikalisch. Dennoch sollte man das Stagnationswasser, also das Wasser, welches sich zum Beispiel über Nacht oft über Stunden in der Leitung befindet, ablaufen lassen. Mindestens so lang, bis das fließende Wasser eine konstant kühle Temperatur hat.

·         Armaturen können das Leitungswasser verunreinigen

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Daher sollten nur Armaturen* von Markenherstellern im Badezimmer verbaut werden. Denn Markenhersteller (wie etwa Hansgrohe, Axor, Grohe, Dornbracht, Kludi, Keuco oder Hansa) verwenden für ihre Armaturen hochwertige Materialien, also Messing mit hohem Kupferanteil oder Edelstahl und Dichtungen, die Ablagerungen von Schwermetallen verhindern. Sie erfüllen strenge Normen wie DVGW- oder KTW-Zulassungen und belasten das saubere Leitungswasser nicht durch minderwertige Legierungen. Durch langlebige Chrom- oder Keramikoberflächen und präzise Perlatoren reduzieren sie Kalkausfällungen und Keimbildung. Armaturen, die einfach nur als „aus Metall“ gekennzeichnet sind oder Zinklegierungen sollten nicht verwendet werden.

·         Bleirohre können das Leitungswasser verunreinigen

Mittlerweile (theoretisch) nicht mehr. Denn Bleirohre sind seit 1973 verboten und mussten bis 12.01.2026 komplett (auch Teilstücke) ausgetauscht sein. Demnach sollten mittlerweile alle Leitungen ausgetauscht sein. Wer sicher gehen will, kann einen Schnelltest mittels Teststreifen durchführen (ca. 10–40 €, Ergebnis in 10 Minuten). Eine – natürlich wesentlich genauere – Laboranalyse kostet 40–100 €. Im Zweifel kann auch ein SHK-Fachbetrieb in der Nähe behilflich sein.

Leitungswasser muss im Fluss bleiben

Damit wir unser Leitungswasser ganz entspannt und sorgenfrei trinken können, muss es aber bestimmte Anforderungen erfüllen. Für öffentliche und halböffentliche Bereiche gelten Regeln, die für den privaten Bereich ebenfalls Sinn machen. So wird z. B. in Bürobauten oder Hotels spätestens alle 72 Stunden ein kompletter Wasserwechsel in allen Rohrleitungen und an allen Entnahmestellen gefordert, um eine gesundheitsgefährdende Vermehrung von Bakterien (wie zum Beispiel Legionellen*) zu vermeiden. Dafür ist der jeweilige Betreiber zuständig, denn ab der Übergabestelle des Leitungswassers in ein Gebäude wechselt die Verantwortung auf ihn. Für Hausbesitzer und Mieter heißt es dann, durch Nutzung der Anschlüsse das Wasser im Fluss zu halten. Wer mehr als drei Tage verreist war, lässt also vor dem Trinken besser das Stagnationswasser ablaufen, bis das frische Nass kommt – leicht zu erkennen an einer deutlich kühleren Temperatur.