Bummel über die ISH 2015

Übers Wasser laufen können wir noch nicht. Macht aber nichts, denn in wohlig warmes Nass einzutauchen, das gehört zu den schönsten Dingen, die wir in unseren eigenen vier Wänden machen können. So ähnlich jedenfalls verspricht es die weltgrößte Badmesse, die ISH in Frankfurt am Main.

Foto: Cornelia Paulien-Hausberger

Bummel über die ISH 2015

Dusche mit Direktverbindung?

4. April 2015

Welche Badtrends erwarten uns 2015? Welche Funktionen, Formen und Farben sind angesagt und wohin entwickelt sich die Sanitärindustrie in den kommenden Jahren? Wir haben uns während der „ISH“, der weltgrößten Leistungsschau für innovatives Baddesign umgesehen. 

Vieles von dem, was uns gefiel, haben wir unter „Neues von der ISH“ zusammengetragen.

So sprechen wir nicht mehr von WCs, sondern von Dusch-WCs. Damit sind Toiletten gemeint, die im Inneren über eine ausgefeilte Wasser- und Duschtechnologie zur Po-Reinigung verfügen, was man ihnen von außen aber so gar nicht ansieht. Im Gegenteil: Dusch-WCs sind mittlerweile echte Hingucker, die außerdem für gute Luft und Licht sorgen.

Ebenfalls festzustellen war: Dusche und Architektur ergänzen sich auf das Wunderbarste und schaffen gemeinsam spektakulären Luxus für private Badezimmer. Armaturen setzen neuerdings auf Teamgeist und entwickeln sich mehr und mehr zu wahren Multitalenten mit cleverer Elektronik und mobilen Brausen.

Auch Waschtische sind Meisterwerke. Aus der Ferne wirken sie wie Skulpturen. Kommt man ihnen näher, zeigen sie schönste Facetten und damit den nächsten Trend auf: Facettenschliff zieht ins Bad ein. Schauen Sie mal genau hin.

Lösungen für jedes Budget und „all Ager“

Trendgucker suchen auf einer Messe zunächst nach dem „Nochniedagewesenen“. Hausbauer, die auf das Budget achten müssen, suchen eher praktikable Lösungen, die das Bestmögliche aus dem vorhandenen Platz machen, schick aussehen und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Auch für sie hielt die ISH zahlreiche Neuheiten sowie Updates bereits erfolgreicher Serien bereit.

Wer heute baut, sollte in die Zukunft denken und nicht erst dann umbauen, wenn die Kraft nicht mehr dazu reicht, über den Wannenrand zu steigen. Alle, die barrierefreie Bäder nur mit Blick auf das Alter sehen, sind daher falsch beraten (worden). Die Gesellschaft wird immer älter. Bis 2034 werden in Europa mehr Menschen über 50 als unter 25 leben. In Sachen Badausstattung wünscht sich diese Generation Lösungen, die hochwertige Ästhetik mit ausgefeilter, altersgerechter Funktionalität verbinden. Und die gab es während der ISH zu Genüge zu entdecken.

Über den Tellerrand des Bekannten geblickt

Die Designer von Bädern haben es also erneut geschafft, über den Tellerrand des Bekannten zu blicken, und präsentierten uns besondere Produkte und Lösungen – etwa im Hinblick auf Flexibilität, Mehrfachnutzen und den Einsatz in großen wie in kleinen Räumen. Zwar sind die Bäder in der Vergangenheit größer geworden, aber leider nicht groß genug, um selbst kleine Wünsche wie ausreichend Stauraum zu erfüllen. Immerhin: Der gestalterischen Vielfalt verbunden mit dem Bestreben nach einem eigenen Look sind kaum noch Grenzen gesetzt.

Big Brother is watching us

Darüber hinaus hat die „ISH“ gezeigt, dass sich die immer stärkere Ausstattung des Bades mit elektronischen Komponenten fortsetzen wird, wenn auch langsamer als von einigen angenommen bzw. befürchtet. Die Anzahl der Produkte mit Senortechnologie jedenfalls nimmt zu, besonders bei Armaturen und WCs.

Spiegelschränke und Duschen mit Bluetooth-Verbindung allerdings gibt es schon lange, und auch Wannen lassen sich nicht erst seit gestern via Smartphone und Tablet befüllen. Dennoch: Der Trend geht eindeutig dazu, alles untereinander komfortabel und nützlich zu verbinden. Wann es aber soweit ist, wird vielleicht die nächste ISH in zwei Jahren zeigen.

Und dann? WLAN-Anschlüsse an der Whirlwanne, um sie mit einer Applikation für das Smartphone vorblubbern und gleichzeitig die Jalousie runterfahren zu lassen? Warum nicht. Jedem das Seine. Daher bekommt die Dusche auch gleich eine Direktverbindung zum Drogeriemarkt und ordert selbstständig Duschgel- und Shampoo-Nachschub. Dass damit weitere Informationen über das individuelle Leben preisgegeben werden, das mag fraglos nicht jedem gefallen. Ihm bleibt die Option „ohne alles“. Vorerst.