Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit im Badezimmer mit einer Badewanne von Kaldewei
Foto: Kaldewei

Wie geht Nachhaltigkeit im Badezimmer heute

Nachhaltige Badkultur

18. Oktober 2022

Nachhaltigkeit ist als wichtiges Thema längst in der Gesellschaft angekommen – nicht nur als Gewissensfrage, sondern auch als Ausdruck eines bestimmten Lifestyles. Während wir im Herzen schon längst nachhaltig leben, sieht die Realität leider noch anders aus: Wir gehen immer noch viel zu verschwenderisch mit den Ressourcen der Erde um. Der Erdüberlastungstag fiel für Deutschland dieses Jahr schon auf den 4. Mai – einen Tag früher als 2021. Dieses Datum markiert den Zeitpunkt, an dem die deutsche Bevölkerung ihr Budget an natürlichen Ressourcen für das Jahr 2022 aufgebraucht hat. Es ist der Zeitpunkt, ab dem wir der Erde mehr Holz, Pflanzen und Nahrungsmittel entnehmen, als in einem Jahr nachwachsen können. Gleichzeitig ist es der Punkt, ab dem rechnerisch mehr CO₂ ausgestoßen wird, als Ozeane und Wälder aufnehmen können.

Noch eindeutiger zeigt sich die negative Entwicklung global gesehen. Das Datum des Erdüberlastungstags ist, laut Global Footprint Network, in den letzten 20 Jahren um ganze zwei Monate vorgerückt – 2022 auf den 28. Juli und damit auch hier einen Tag früher als letztes Jahr. Ressourcen schonen ist also überall angesagt. Auch oder gerade im Badezimmer, wo ein Drittel des täglichen Trinkwasser-Bedarfs für Duschen, Baden und Körperpflege verwendet wird. Für die Toilettenspülung wandert ein weiteres Viertel in die Klärwerke. Immerhin sind wir auf dem richtigen Weg: Seit seinem Höhepunkt 1991 sank der Pro-Kopf-Wasserverbrauch laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) von 147 auf durchschnittlich 123 Litern pro Tag 2017. Gleichzeitig macht uns das in Dürrejahren selbst im regenverwöhnten Deutschland zurückgehende Grundwasser bewusst, dass Wasser eine kostbare Ressource ist.

Doch es geht nicht nur um die Einsparung von Trinkwasser. Das Thema ist vielschichtiger. Ein Badezimmer-Nachhaltigkeits-Guide.

Ressource Wasser im Badezimmer schonen

Wasser sparen im Badezimmer mit der Armatur Kemi Plan blue von Keuco
Einhebelmischer wie bei der Plan Blue von Keuco ermöglichen eine schnelle und präzise Temperatureinstellung. Das spart Wasser und Energie. Foto: KEUCO

Der bewusste Umgang mit Wasser ist die einfachste Möglichkeit, um Nachhaltigkeit im Badezimmer zu praktizieren. In erster Linie sollten wir darauf achten, den Wasserhahn nicht unnötig laufen zu lassen. Zudem gibt: lieber duschen als ein Bad zu nehmen. Auch die deutsche Sanitärindustrie macht sich laufend Gedanken, wie sich im Badezimmer Wasser einsparen lässt – sei es am Waschtisch, in der Dusche oder auch in der Toilette.

Auch durch moderne Sanitärprodukte kann der Verbrauch von Wasser im Badezimmer ohne großen Aufwand und Komfortverlust reduziert werden. So sind in modernen Armaturen, Hand- oder auch Kopfbrausen wassersparende Elemente meist schon standardmäßig integriert. Perlatoren – auch Strahlregler genannt – sind dafür das bekannteste Beispiel. Sie verringern erheblich die Wassermenge, die durch die Armatur läuft, indem sie dem Wasserstrahl Luft beimischen. Viele ältere Armaturen können damit auch nachgerüstet werden. Zudem sind Perlatoren kostengünstig und einfach zu installieren. Bei Niederdruckarmaturen sollte man auf dafür vorgesehene spezielle Perlatoren zurückgreifen. Auch Wasserspar-Kartuschen, die an herkömmlichen Einhebelmischern eingesetzt werden, helfen beim Wassersparen, indem sie einen Widerstand im Hebelweg bewirken. Dies soll verhindert, dass der Hebel – etwa beim Händewaschen – direkt bis zum Anschlag geöffnet wird und dadurch zu viel Wasser fließt.

Tipp:
Abgesehen von einem allgemein bewussteren täglichen Umgang mit Wasser achtet man am besten direkt beim Kauf von neuen Armaturen darauf, dass Perlatoren oder Wasser-Kartuschen bereits integriert sind, um den Wasserverbrauch zu begrenzen.

Energiesparende Vorrichtungen

Wasser sparen im Badezimmer mit der Grohe plus digital
Mit einem berührungslosen Wischen lässt sich bei der Grohe Plus digital einfach vom Standardstrahl zur wassersparenden Eco Spray-Einstellung wechseln. Foto: Grohe

Egal, ob am Waschtisch oder in Dusche: Einhebelmischer eignen sich besonders gut für die Einsparung von Wasser, da der Wasserdurchlauf schneller geöffnet und geschlossen werden kann. Zudem haben sie einen grundsätzlichen Energiespareffekt, da sich hier die gewünschte Temperatur zügiger eingestellt lässt als mit Zweigriffarmaturen. Schließlich helfen auch berührungslose Armaturen beim bewussten Umgang mit Wasser und Energie im heimischen Badezimmer: Sensoren übernehmen die elektronische Steuerung des Wasserflusses und stellen ihn automatisch an und ab. Das Wasser fließt also nur dann, wenn es wirklich benötigt wird. Hierbei kann die Temperatur oft sogar voreingestellt werden.

Bei Thermostaten bzw. Thermostatarmaturen, die an der Badewanne oder in der Dusche installiert werden können, lassen sich Wasser-Höchsttemperatur und die Durchschnittstemperatur festlegen. Der eingebaute Messfühler sorgt dafür, dass sie konstant gehalten werden. Damit wird vermieden, unnötig Wasser laufen zu lassen, bis die gewünschte Temperatur erreicht ist.

Tipp:
Mit einem Thermostat oder einer Thermostatarmatur an der Badewanne und in der Dusche können die Ressourcen Wasser und Energie besonders effektiv eingespart werden. Gleichzeitig erhalten Nutzer und Nutzerinnen einen erheblichen Zugewinn an Komfort, indem sie schnell Wasser in Wunschtemperatur erhalten.

Das WC als Top-Wassersparer

Nachhaltigkeit im Badezimmer mit spülrandlosem WC Subway von Villeroy & Boch
Durch ihre optimale Wasserführung verbrauchen spülrandlose WCs wie das Subway von Villeroy & Boch weniger Wasser pro Spülung. Zudem kann auf den Einsatz von Reinigungsmitteln verzichtet werden. Foto: Villeroy & Boch

Früher leerten Toilettenspülungen gerne mal den gesamten Wasserkasten – und das bei jedem Spülgang. Auf diese Weise wurden in der Regel zwischen 12 und 14 Liter Wasser verbraucht. Kein Wunder also, dass dabei ein Drittel des Wasserverbrauchs in privaten Haushalten auf die Toilettenspülung zurückging. Moderne Spülkästen sind in der Regel mit einer Start-Stopp-Taste ausgerüstet, die beim Loslassen den Spülvorgang abbricht. Oder sie verfügen direkt über eine Kurzspültaste. Bei dieser 2-Mengen-Spültechnologie lassen sich im Vergleich zu konventionellen Spülsystemen bis zu 50 Prozent Wasser einsparen. Während bei Betätigung der großen Taste 6 Liter Wasser durch die Toilette fließen, sind es bei der kleinen Taste nur ca. 3 Liter Wasser pro Spülung.

Gleichzeitig tragen die von den Badherstellern vorangetriebenen Technologien in puncto effektiverer Spülung innerhalb der WC-Schüssel nicht nur dazu bei, den Wasserverbrauch im Bad weiter zu senken, sondern machen die Toilette auch hygienischer und einfacher zu reinigen. Vor allem spülrandlose WCs erleichtern die Reinigung deutlich, da sich durch den fehlenden Spülrand alle Bereiche einfach erreichen und säubern lassen. Das wiederum minimiert den Gebrauch von Reinigungsmitteln.

Nachhaltigkeit im Badezimmer mit dem Dusch-WC Sela Monolith von Geberit
Dusch-WCs wie das Geberit AquaClean tragen dazu bei, dass auf die Verwendung von Feuchttüchern verzichtet werden kann. Foto: Geberit

Auch das Dusch-WC eignet sich für ein nachhaltiges Badezimmer. Vor allem, wenn gesteigerter Wert auf Komfort und Hygiene gelegt und ab und an Feuchttücher genutzt werden. Das ist jedoch nicht nur aus Umweltschutzgründen problematisch, es kann auch zu Verstopfungen in Kanalisation und Klärwerken sorgen. Hier muss es aufwändig aus dem Abwasser geharkt und verbrannt werden. Zudem bestehen Feuchttücher aus Kunststofffasern wie Polymeren oder Polyester. Diese lösten sich nicht im Wasser auf und belastet die Umwelt nachhaltig. Mit einem Dusch-WC kann auf solche Vliesstoffe verzichtet werden: Und am Ende bleibt ein sauberes Gefühl.

Tipp:
Falls möglich, ist es in jedem Fall sinnvoll und umweltschonend, einen alten Spülkasten mit einem Spülstopp nachzurüsten. Im Idealfall ersetzt ihn ein moderner Spülkasten, der pro Spülgang im Schnitt 3 Liter weniger verbraucht als ein herkömmlicher.

Recycelbare Materialien und Vermeidung von (Plastik-)Müll

Nachhaltige Produkte im Badezimmer wie etwa Bette Comodo
Stahl-Email, aus den Werkstoffen Glas und Stahl, ist zu 100% recyclingfähig. Zudem will Bette bis 2024 50% seiner Badelemente – wie hier etwa die Waschtische der Serie BettoComodo – aus grünem Stahl herstellen. Foto: Bette

Doch der Weg zu einem nachhaltigen Badezimmer muss nicht immer über technisch komplexe Produkte und modernste Technologien führen. Ein anderer Weg ist, langjährig nutzbare Produkte, die aus natürlichen oder auch recycelbaren Materialien bestehen, zu verwenden. Hierfür ist es wichtig neben dem Vermeiden von Plastikmüll – etwa bei Kosmetikartikeln- und Hygieneartikeln, auch den Blick auch auf Sanitärprodukte und Badmöbel zu richten. Dabei geht es längst um weit mehr als Fragen wie „Holz oder Kunststoff?“ und „Keramik oder Mineralguss?“. Wichtig sind auch Aspekte wie Transport, Regionalität und Wiederverwendbarkeit.

Der Einsatz von recyclingfähigen Materialien rückt dabei immer mehr in den Fokus einer nachhaltigen Badezimmer-Planung. Hier verwenden die Sanitärhersteller schon nachhaltige Materialien. Sanitärkeramik oder Stahl-Emaille etwa sind nicht nur lange haltbar, sondern auch zu 100 Prozent recyclingfähig. Der Einsatz von natürlichen Materialien, wie zum Beispiel Öko-Putz, Naturstein oder Holz unterstützt ebenfalls eine nachhaltige Badgestaltung.

Auch bei Badmöbeln lohnt es sich darauf zu achten, aus welchen Materialien sie bestehen, ob sie ohne Giftstoffe produziert oder sogar klimaneutral hergestellt wurden. Gütesiegel wie das Goldene M, Blauer Engel, Möbel Made in Germany, PEFC u.a. helfen dabei, umweltfreundliche und qualitativ hochwertige Produkte zu finden.

Tipp:
Bei einer nachhaltigen Badezimmer-Planung rückt der Einsatz von recyclingfähigen und natürlichen Materialien immer mehr in den Fokus. Gütesiegel wie das Goldene M, Blauer Engel, Möbel Made in Germany, PEFC u.a. helfen dabei, umweltfreundliche und qualitativ hochwertige Produkte zu finden.

Nachhaltige Produkte und langlebiges Design

Nachhaltigkeit im Badezimmer mit zertifizierten Badmöbeln von burgbad
Durch die Produktion am Standort Deutschland, wie hier bei der Kollektion Lin20 aus der Serie sys20, hat burgbad kurze Transportwege. Zudem verwendet das Unternehmen ausschließlich PEFC-zertifiziertes Holz. Foto: burgbad

Ausgehend von einer durchschnittlichen Nutzungsdauer eines Badezimmers von 15 bis 20 Jahren kann es auch sinnvoll sein, bei der Badausstattung darauf zu achten, dass Ersatzteile und austauschbare Komponenten unbegrenzt lieferbar sind. Da Planung, Lieferung und Montage eines Badezimmers oder einzelner Sanitärmodule in Deutschland oft aus einer Hand durch das Fachhandwerk erfolgen, werden Lieferbarkeit und Garantieleistungen gewährlistet. So können mögliche Reparaturen und Erneuerungen ohne viel Aufwand für Mensch und Umwelt durchgeführt werden. Am Ende ist eben auch eine möglichst lange Nutzungsdauer von Produkten im Badezimmer eine wichtige Nachhaltigkeits-Komponente. Sie wird garantiert durch langlebiges Design und hohe Produktqualität.

Im Idealfall kann sich das Badezimmer mit den je nach Lebensabschnitt wechselnden Anforderungen verändern. Auch das sollte bei der Planung von Anfang an berücksichtigt werden. Dabei bilden die Sanitärprodukte, metaphorisch gesprochen, eine Art weiße Leinwand bzw. Plattform zur Inszenierung des Bades durch seine Nutzer und Nutzerinnen. Persönliche Stilpräferenzen und modische Aktualität werden dann eher durch den Einsatz von Accessoires oder durch eine (teilweise) Renovierung von Wand und Boden erzielt.

Das nachhaltige Badezimmer ist letztendlich ein zukunftsorientiertes Konzept, das smarte, Wasser und Energie sparende Produkte, umweltschonende Industrieproduktion, nachhaltige Materialien und ein langlebiges Design optimal kombiniert.

Tipp:
Eine wichtige Komponente für ein nachhaltiges Badezimmer ist eine möglichst lange Nutzungsdauer der Badezimmerprodukte. Garanten dafür sind ein langlebiges Design und eine hohe Produktqualität.