Gesund sein
Wannenlauschen

Gutes Rezept (nicht nur) für dunkle Wintertage: Kopfunter in der Badewanne wieder zu sich selbst und zu neuer Fröhlichkeit finden.

Foto: pixabay ©ArtTower

Wannenlauschen im Winter

Die Kunst des Bades (1)

16. November 2020

Gerade erst den Herbstblues überwunden und schon einen Winter vor Augen, der vermutlich primär in den eigenen Wänden stattfindet: Da tut sich plötzlich ungewohnt viel Zeit auf. Fein, nutzen wir sie doch einfach für uns selbst. Zum Beispiel beim ausgedehnten Baden mit Wannenlauschen. 

Beim Baden kommt vieles zum Vorschein. Menschen, die außerhalb des Mediums als still gelten, summen in warmem Wasser aus heiterem Himmel ein Lied. Andere ruhige Vertreter rutschen vor lauter Wohlbehagen wie ein kleines Kind so lange in ihrer modernen Muschel aus glasiertem Titanstahl oder Sanitäracryl auf und ab, bis das Nass über den Rand fließt. Wiederum andere halten den Atem an, sinken ganz langsam unter die H2O-Oberfläche und sind ganz Ohr.

Vom Eins mit sich selbst zu sein

Keine Frage: Umgeben von leisem Wasserbrabbeln ergibt sich manch umtriebiger Geist in der Badewanne seinem Schicksal – und lässt sich das Gedanken-Zepter entreißen. Schnell übernehmen Magenglucksen, Herzschlag und das rhythmische Schwappen des Badewassers die Regie. Und hören wir nicht in weiter Ferne das Rauschen von Abwasser? Spüren das Dröhnen von Rohren und Leitungen, die es tief bis in die Erde und von dort weit ins Universum transportieren? Da ist es, das ersehnte wohlige Gefühl, eins mit sich selbst zu sein.

Im Wannenlauschen ganz gefangen

Längst spüren Sie den Schweiß auf Ihrer Stirn nicht mehr. Im Wannenlauschen ganz gefangen rutschen Sie tiefer und lassen sich endlos treiben, bis Sie die Gier nach Sauerstoff und ein unbequemer Stöpsel aus der Hydrosphäre reißen. Abtauchen ist endlich, das ist schade, aber auch gut so. Denn wer will schon die städtische Kanalisation durchlaufen? Da kommen Sie doch lieber freiwillig wieder an die Oberfläche. Fröhlich, entspannt und eins mit sich selbst. Ja, so hat er was, der nahende Winter, den wir vermutlich primär in den eigenen vier Wänden verbringen werden.

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